Heinrich Pröll

29. Juni 1899 – 22. Februar 1980

 Heinrich Pröll wurde in Wien geboren. Mit zehn Jahren wurde er Zitherschüler Jakob Baumann’s, musste aber nach zwei Jahren das Studium unterbrechen, weil seine Mutter starb und er zu fremden Leuten auf „Bett und Kost“ kam. Im Dezember 1913 trat er in die Marine-Unteroffiziersschule in Sebenico, Dalmatien, ein und erlernte im Schulorchester rasch mehrere Instrumente.


Mit sechzehn Jahren vertrat er bereits den Kapellmeister und konzertierte beim Flottenkommandanten Admiral Njegovan, beim Fürsten Esterhazy und in höchsten Offizierskreisen. In Cattaro gründete er ein Wiener Schrammelquartett, das unter seiner Leitung sehr erfolgreich auftrat.

Am 10. Juni 1918 überlebte er den Untergang des österreich-ungarischen Schlachtschiffes „Szent Istvan“. Nach dem Krieg bildete er sich unter großen Opfern musikalisch weiter, wobei die Kapellmeister A. Wiesmüller und A. V. Nikl, sowie der Organist der Votivkirche Prof. Schöffmann seine Theorielehrer waren. Unter Prof. R Mayerhöfer absolvierte er mit bestem Erfolg die pädagogischen Kurse der Stadt Wien und seine weitere Zitherausbildung bei dem Virtuosen und Schuldirektor Otto Slezak.

In den 20er-Jahren leitete er die Arbeiter-Zithervereine in Währing, Brigittenau und Schwechat. 1922 wurde er musikalischer Leiter des Landstraßer Arbeiter – Zitherklubs und 1927 dessen Ehrendirigent. Im selben Jahr legte er die damals eingeführte Stadtschulrats-Prüfung ab, erwarb die Konzession zur Führung einer Musikschule und wurde als Fachprüfer der Kommission für Volksmusikinstrumente beigezogen. In der Vereinigung der österreichischen Zithervereine (ehemals österreichisch - ungarischer Zitherbund) war Pröll viele Jahre musikalischer Leiter, Mitglied dessen Künstlerquartetts und wurde mit der selten verliehenen Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.

1932 berief ihn der Österreichische Zitherlehrerverband an seine Fachschule für höheres Zitherspiel, an der er den praktischen Unterricht leitete. Im Jahr 1938 wurden diese Schule und der Verband, dessen letzter Präsident er war, aufgelöst und begann seine Lehrtätigkeit an der Musikschule der Stadt Wien, an welcher er bis zu seiner Pensionierung tätig war.

Er selbst bezeichnete es als den Erfolg seines Lebens, 1946 die Zither in Form eines Lehrerseminars an das Wiener Konservatorium gebracht zu haben. Zugleich wurde ihm die Installierung und Leitung der neuen „Musikschule für Pflege volkstümlicher Musik“ übertragen. Letztere hat er 1954 an Viktor Winkelbauer abgetreten.

Als Gasthörer bei den Professoren Dr. W. Fischer, Dr. P. Krankl und als Schüler von Prof. F. Burkhart bereitete er sich auf sein Lebenswerk vor, die dreibändige Zitherschule, welche ab 1946 bei Doblinger – Maaß erschien. Dazu kamen zahlreiche Unterrichtswerke. Pröll war auch Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitschriften für Volksmusik, schrieb Fachartikel und hat für den Verlag Franz Christ die Zitherschulen Enslein, Sacher und Umlauf neu bearbeitet bzw. redigiert.

Kompositorisch konnte er auf ein langes und reiches Schaffen zurückblicken. Er leitete das legendäre Wiener-Zithermeister-Quartett und wirkte von 1930 an im Rundfunk sowie bei vielen Tonfilm- und Schallplattenaufnahmen mit. Sein letztes Zitherquartett war im Rundfunk der Fünfzigerjahre sehr bekannt und beliebt.